Gitarre üben: Didaktisch sinnvoller Übungsaufbau
Jeder Mensch weist andere Lerngewohnheiten und Lernrituale auf, weshalb diese Anleitung auch keinen absoluten Anspruch hat. Will heißen: was nachfolgend gelistet wird, muss nicht in exakt dieser Reihenfolge geübt werden, um effizient und schnell Gitarre spielen zu lernen. Es geht hauptsächlich darum ausgewogen zu üben. Oftmals -sei es als Anfänger oder Fortgeschrittener- konzentriert man sich einige Tage oder Wochen auf ein bestimmtes Thema und dabei wird vergessen auch andere Techniken zu trainieren.
Ausgewogen Üben
Schwerpunkte und Ziele zu setzen ist sicherlich sinnvoll um sich weiter zu entwickeln. Damit man jedoch nicht andere Aspekte des Gitarre spielens völlig außer Acht lässt, ist ein ausgewogener Übungsplan von großem Vorteil. Neben den neuen Übungen können somit ältere Techniken verfestigt werden. Einen Entwurf eines solchen Übungsplans könnt ihr euch hier kostenlos downloaden.
Denn wie man uns bereits in der Schule gepredigt hat: sukzessives gleichmäßiges Lernen ist immer besser als das punktuelle Üben spezieller Aspekte.
Aufwärmen:
Den neuen Akkord, den du erst vor wenigen Tagen zum ersten Mal gegriffen hast, ist zum Aufwärmen sicherlich nicht das Richtige. Denn hier ist das Zusammenspiel aller Finger gefragt. Diese müssen sich erst einmal dehnen und aufwärmen. Es empfiehlt sich mit dem Spielen von Skalen zu starten, also mit Einzeltönen. Dabei solltest du Folgendes beachten:- Metronom, Metronom, Metronom!!!
Gibt´s in jedem Musikgeschäft, als kostenlose Software zum Downloaden oder ganz einfach online ohne Download. - die ersten Töne sollten nicht direkt eine Herausforderung in Sachen Geschwindigkeit darstellen. Mach dich "langsam" vertraut mit deinem Instrument und acht darauf, dass die Töne sauber klingen. Greifhand und Spielhand müssen 100% in Einklang sein, sonst gibt´s schon bald Probleme bei schnellen Passagen - klingt scheiße!!!
D.h. für die E-Gitarristen: Clean-Kanal! - Zähle in deinem Kopf die Tonstufen mit, also in welchem Abstand der gespielte Ton zum Grundton steht, wobei der Grundton bereits die erste Tonstufe darstellt (Grundton - Sekunde - Terz. Terz = 3. Tonstufe). Das hilft zum einen zu erkennen, welche die "starken Töne" innerhalb eines Tongeschlechts (Dur/Moll) sind. Zum anderen stellt dies eine gute Hilfestellung für das Spielen von Akkorden über eine bestimmte Tonart dar. (s. theoretische Grundlagen)
- Spielen in Gruppen: Skalen hoch und runter zu spielen macht hinsichtlich des Einsatzes in Soli weniger Sinn. Hier bewegt man sich häufig innerhalb bestimmter Regionen auf einer Skala/in einem Pattern. Aus diesem Grund macht es Sinn in Gruppen zu spielen. Am beliebtesten sind 3er, 4er und 5er Gruppen.
Video + Grafik: Beispiele fürs "Spielen in Gruppen" über Gitarrenskalen
- Metronom, Metronom, Metronom!!!
- Dreiklänge/Akkorde: Dreiklänge bestehen üblicherweise aus dem Grundton, der Terz und der Quinte (Tonstufen 1 - 3 - 5). Die Tonstufen der gespielten Skalen können nun die Grundlage für das Spielen von Dreiklängen (= Akkorde) darstellen. Dabei sieht man jeden Skalenton als Grundton für einen Dreiklang an und spielt so entlang der Skala die entsprechenden Akkorde. Mehr dazu in den theoretischen Grundlagen.
- Mehrklänge: Da man bei Dreiklängen maximal drei Greiffinger nutzt, ist es nun Zeit unter Einsatz aller Greiffinger Akkorde oder Mehrklänge zu spielen. Dabei sollten -natürlich mit Metronon- möglichst alle bekannten Akkorde gegriffen werden
- Rhythmische Übungen: Diese sollten sowohl aus eigenen Ideen bestehen als auch aus Songs bwz. Songabschnitten, die ihr gerne nachspielen wollt. Es ist darauf zu achten exakt mit dem Metronom oder dem Lied mitzuspielen. Solltet Ihr Unterschiede feststellen, dann heißt es abbrechen und das Lied nochmals genau studieren, optimalerweise reduziert man das Stück im Tempo. Dafür kann ich die Freeware-Version von "Wave Pad" von "NCH Swift Sound" empfehlen.
- Solo lernen: Das Nachspielen von Liedern ist ein wichtiger Teil der musikalischen Bildung. Wenn Songs und Soli intensiv geübt wurden, dann bleiben diese im Gehirn verankert und kommen an anderer Stelle innerhalb eures kreativen Schaffens wieder an die Oberfläche. Entweder in gleicher Form oder adaptiert. Wichtig ist: Nicht zu schnell üben - keine Fehler wiederholt spielen - versuchen, mit dem Fuß mitzugrooven.
Hinweis:
Ein Programm, mit dem Ihr Musik fast aller Formate in der Geschwindigkeit reduzieren oder bestimmte Passagen in einem wiederholenden Loop abspielen könnt, ohne dass sich die Tonhöhe verändert, findet ihr hier. Der Download ist kostenlos und sicher. - Improvisation: Abschließend über JamTracks das Gelernte Solo zu adaptieren oder einfach nur spielen, was man will. Hört auf mit etwas, das euch viel Spaß macht, dann müsst ihr euch am nächsten Tag nicht zum Üben zwingen, sondern seid voll motiviert.